Seit Jahren machen die radikalen Frauenrechtlerinnen mit spektakulären und lautstarken Aktionen auf sich aufmerksam. Bei ihren blitzmobartigen Attacken, artikulieren die jungen Frauen politische Forderungen und setzen gezielt ihre halbnackten Körper ein. Ihr couragiertes Auftreten hat ihnen neben der ein oder anderen Zivilklage, Gefängnisaufenthalten und öffentlichen Anfeindungen auch viele Sympathien eingebracht. Das positive Bild, das diese energischen Frauen von sich gebildet haben bekommt aber langsam Risse, da sich Bereichte häufen, in denen von internen Gängeleien, harten Trainingsmethoden und sogar von Sexismus die Rede ist.

Eine Aussteigerin hat kürzlich der französischen Zeitung „Le Figaro“ gegenüber von ihren Erfahrungen während ihrer Zeit bei Femen berichtet. Die 30-jährige Alicia war demnach 18 Monate lang Mitglied der Organisation und hat sich nun von ihr distanziert, da sie die dort herrschenden Missstände nicht mehr ertragen wollte. Alicia spricht von brutalen Methoden beim Training junger Femen-Mitglieder. Unter anderem seien Brandwunden, brutale Stürze und gezerrte Muskeln die Folge gewesen. Es herrsche eine strikte Hierarchie, der sich alle Rekrutinnen unterzuordnen hätten. Parolen und die Grundsätze der Organisation müssten Alicia zufolge wieder und wieder laut geschrien werden, bis sie sich ins Gedächtnis brennen und frau sie wie ein Automat wiedergeben kann.

Zum Drill, der insgesamt gewalttätiger sei als die Aktionen selbst, gehöre auch, eine Viertelstunde lang Gesicht an Gesicht andere Aktivistinnen anzubrüllen. Feministische Ansprüche seien total ins Hintertreffen geraten, vielmehr würden Mitglieder gar nach ihre Aussehen ausgewählt, da attraktive „Sextremistinnen“ (so die Eigenbezeichnung) als effektiver angesehen würden. Insgesamt sei Alicia enttäuscht von der Gruppe, in der Desorganisation und sogar Diskriminierung herrsche. Ihre negativen Erfahrungen bei Femen will die junge Frau nun in einem Buch veröffentlichen.