Es ist schwer zu bestimmen, wann genau der erste Bikini auf der Weltbühne erschienen ist. Funde in einer Grabungsstätte im Osten der Türkei lassen darauf schließen, dass Frauen bereits in grauer Vorzeit Kleidungsstücke trugen, die dem heutigen Bikini entsprechen. Es handelt sich um primitiv geschnittene Zweiteiler, die die Brüste sowie den Lendenbereich der Frau abdeckten. Modelle, die noch stärker an Bikinis im modernen Sinn erinnern, tauchten dann in der Antike im östlichen Mittelmeerraum auf. Kunstvoll gefertigte Keramiken aus Griechenland sowie Süditalien zeugen davon, dass die Damen schon damals durchaus an funktioneller Bademode interessiert waren.

Historiker sind sich jedoch uneins darüber, zu welchen Anlässen die Zweiteiler getragen wurden. Die einen behaupten, dass die Vorläufer der heutigen Bikinis bei sportlichen Aktivitäten angezogen wurden, andere wiederum vertreten die These, dass sie vornehmlich unter den Damen der gehobenen Gesellschaft in der Freizeit zum Einsatz kamen. Letzterer Auffassung nach sollen die Urversionen der Bikinis zwischen Ägäis und Ionischem Meer vornehmlich beim Baden am Strand und an Seen und Flussufern getragen worden sein. Etwa vom 4. Jahrhundert nach Christus an verliert sich dann die Spur des Bikini für sehr lange Zeit.

Erst im 19. Jahrhundert nehmen Badeurlauberinnen in Europa das Thema wieder auf, als sich allmählich eine Schwimmkultur zum reinen Zeitvertreib und zur Rekreation auszubilden beginnt. Zentren der zumeist bürgerlichen Strandgänger waren zum Beispiel Biarritz an der französischen Atlantikküste oder auch einige Küstenabschnitte in England. Im Britischen Empire hatte man anfangs noch recht widersprüchliche Auffassung davon , wie Bademode an sich zu beurteilen sei. Nicht wenige Menschen in England waren beispielsweise noch Anfang der 1860er Jahre der Meinung, dass es gesundheitsschädlich sei, bekleidet ins Wasser zu gehen.

Aber schon kurze Zeit später hatte die Öffentlichkeit, oder zumindest der Teil der Bevölkerung, der sich Ausflüge an Strände und in Kurbäder leisten konnten, eine viel tolerantere Meinung über Badeanzüge. Denn an der französischen Atlantikküste tauchten Schwimmanzüge auf, die als sittlich genug, gleichzeitig aber auch als elegant galten. Besagte Modelle taugten aber nicht wirklich zum Plantschen und noch weniger zum Schwimmen. Der Grund: die Textilien saugten sich mit Wasser voll und wurden so schwer, dass nicht wenige Schwimmerinnen in Lebensgefahr gerieten.