Etwa im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begann in Europa die Evolution der Bademode für Frauen. War die Notwendigkeit von Kleidungsstücken, die beim Baden am Körper getragen wurden in den Jahren zuvor noch grundsätzlich umstritten gewesen, so war diese Diskussion nun vom Tisch und Badeanzüge wurden grundsätzlich akzeptiert. Eine junge Australierin erwies sich damals als Pionierin auf dem Gebiet, indem sie einen Badeanzug entwarf, dessen Design mehr an praktischen Kriterien als an den Moralvorstellungen der noch in weiten Teilen konservativen angelsächsischen Gesellschaft orientiert war.

Nach heutigen Maßstäben waren die Badeanzüge des frühen 20. Jahrhunderts noch sehr züchtig geschnitten und aus vergleichsweise viel Stoff gefertigt. Erst in den 1930er Jahren setzte ein fundamentales Umdenken infolge der Verbreitung eines neuen Schönheitsideals ein. Als ästhetisch galt nun nicht mehr eine vornehme Blässe, die Menschen sollten lieber braungebrannt sein und einen bronzenen Teint haben. Das führte dazu, dass Badeanzüge deutlich knapper geschnitten wurden. Der Rücken wurde zum Beispiel stärker entblößt, während die Hosenbeine fast verschwanden oder zumindest deutlich höher geschnitten wurden.

Dem Trend folgend, entwickelten in jener Zeit Schneider in den USA erstmals zweiteilige Badeanzüge, da sie ein Höchstmaß an freiliegender Haut ermöglichten. Auch das stieß vielerorts auf Widerstand. So verboten die Nationalsozialisten in Deutschland seinerzeit das Tragen von zweiteiliger Badebekleidung in der Öffentlichkeit. Unglaublich aber wahr: der Zweite Weltkrieg befeuerte die Verkleinerung der fortan als Bikini bekannten Bademode. Da große Mengen Textilien benötigt wurden, um die in Europa und im Pazifik kämpfenden Truppen mit Uniformen versorgen zu können, reduzierten die Vereinigten Staaten per Erlass den Materialverbrauch bei der Herstellung von Damenmode. Das wirkte sich auch auf die Bestandteile von Bikini aus, die in der Folge noch knapper ausfielen.