Der Bikini hatte es wahrlich nicht leicht, sich als massentauglicher Gebrauchsgegenstand im Alltag durchzusetzen. In der Tat dauerte es Jahrhunderte, bis der emblematische Zwiteiler zum allgegenwärtigen Accessoire für Strandnixen auf der ganzen Welt und allgemein akzeptiert wurde. Nachdem Pioniere wie die australische Schauspielerin Anette Kellermann um die Jahrhundertwende einen Vorläufer des Bikinis in aller Öffentlichkeit bewarb und seine Weiterentwicklung vor allem in der Zwischenkriegszeit vorangetrieben worden war, so ging der langsame, aber stetig voranschreitende Siegeszug des Bikinis erst nach dem Zweiten Weltkrieg in seine entscheidende Phase.

Nach dem zweiten großen Waffengang in Europa gierten die Massen nach Freiheit, Lebensfreude und Spaß. Diesem Zeitgeist zollten zwei französische Designer Tribut, indem sie den zuvor bereits immer knapper geschneiderten Bikini weiter kürzten und so die Körper der weiblichen Trägerinnen besonders stark zur Geltung brachten. Den Anfang machte Jaques Heim, der sein Produkt seinerzeit als den kleinsten Badeanzug der Welt anpries. Kurz darauf wurde er aber noch übertroffen. Bei den ersten Präsentationen des vom französischen Unternehmer Louis Reard entworfenen Bikinis tauchte ein Problem auf, das im Prinzip nicht technischer, sondern gesellschaftlicher Natur war. Die Menschen in Paris waren oftmals noch so prüde, dass Reard keine Models fand, die seine provokante Kreation auf einem Laufsteg tragen wollten. Reard engagierte aus diesem Grund eine Stripperin, die weniger Scheu hatte und die knappe Bademode vor den Augen eines irritierten und gleichzeitig faszinierten Publikum zur Schau stellte.

Die Aktion sorgte zwar für Publicity, massentauglich wurden Bikinis aber erst, nachdem Hollywood-Schauspielerinnen ihn für sich entdeckten und auch vor den Kameras öfter trugen. Die Vorreiterinnen waren Marilyn Monroe, Brigite Bardot oder später auch Raquel Welsh. In der westlichen Welt ging der Bikini so nach und nach in den alltäglichen Gebrauch über und verlor seine gesellschaftliche Brisanz. Das gilt jedoch bis heute nicht für alle Regionen der Erde. In muslimischen Ländern sieht man den Bikini zum Beispiel noch äußerst skeptisch und empfindet ihn häufig noch als anstößig. Aus diesem Grund kommen in streng konservativen Ländern wie einigen Golfstaaten oder Emiraten spezielle Ganzkörperbadeanzüge für gläubige Musliminnen zum Einsatz, die in Übereinstimmung mit religiösen Vorschriften designt wurden.